Landwirtschaftliche Studienfahrt im Zeichen Europas

Dienstag, 10. Juli 2018

Die jährliche Studienfahrt des Landsozialen Arbeitskreises (LSAK) der Katholischen Landvolkbewegung (KLB) Bayern führte dieses Jahr ganz im Sinne der KLB-Bundeskampagne "Ich bin Europa - und Du auch!" vom Allgäu über Österreich nach Südtirol. Im Mittelpunkt standen Ende Juni dabei die Themen „Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union“ und „Wertevermittlung in der landwirtschaftlichen Ausbildung“. Neben Impulsen und Informationen durch Experten und Praktiker vor Ort war ausreichend Zeit, die Erkenntnisse im Austausch zu vertiefen.

 

Vom Allgäuer Heumilchkäse zur Ausbildung in Österreich

Erste Station war die Sennerei Lehern in Hopferau, bei der im Rahmen einer Führung die Besonderheiten der Produktion von Allgäuer Heumilchkäse aus Rohmilch dargestellt wurden. Acht Milchbauern haben sich dort zu einer Genossenschaft zusammengeschlossen und vermarkten so erfolgreich ihre Bergmilch.

Nur wenige Kilometer von der Sennerei Lehern entfernt, in Seeg, hat Biobauer Engelbert Fichtl seinen Milchviehbetrieb. Interessant für die Teilnehmer der Studienfahrt war vor allem, dass der 25-ha-Betrieb nach Aussage von Fichtl auch mit den 22 Tieren profitabel im Vollerwerb läuft. Es sei zwar ein 365-Tage-Job, so Fichtl, aber für ihn genau das Richtige. Es bleibe genug Zeit für Tagesausflüge für ihn und seine Familie. Am Ort gibt es noch drei weitere Betriebe in ähnlicher Größenordnung, die ebenfalls ein gutes Auskommen haben.

Der „Pestizid-Rebell“ vom Vinschgau berichtet

Nach einer Fahrt über zwei Alpenpässe erreichte die Exkursion ihr südlichstes Ziel: Die Gemeinde Mals im Vinschgau (Südtirol). Dort gab es eine sehr persönliche und informative Begegnung mit Günther Wallnöfer, der weltweit als „Pestizid-Rebell“ von Mals berühmt geworden ist. Im Laufe des Abends wurde klar, dass diese Berühmtheit und die viele Presse nicht nur Vorteile haben. Die eh schon nicht leichte Situation im Ort wurde oftmals von außen durch provozierende und nicht immer fachliche Berichte weiter angeheizt, was einvernehmliche Lösungen immer weiter erschwert. Interessant war auch, dass die Region um Mals von Natur aus eigentlich eine Art Steppen-Landschaft ist und schon immer nur mit intensiver Bewässerung landwirtschaftlich genutzt werden kann. Noch steht dafür ausreichend Wasser von den Gletschern zur Verfügung. Der Vorteil ist, dass durch die Steuerung der Bewässerung eigentlich eine sehr vielfältige landwirtschaftliche Nutzung möglich wäre. Der intensive konventionelle Obstanbau macht aber insbesondere den Bio-Bauern das Leben schwer. Augenblicklich beschäftigen sich die italienischen Gerichte mit der Frage, wie weit Schutzmaßnahmen für Bio-Landwirte die Arbeit konventioneller Landwirte einschränken dürfen.

Ausbildung und genossenschaftliche Vermarktung in Südtirol

Am nächsten Morgen stand der Besuch der Fachschule für Land- und Forstwirtschaft Fürstenburg in Mals auf dem Programm. Schulleiter Dr. Martin Unterer gab Einblicke in die Geschichte der Burg und der Schule und stellte die landwirtschaftliche Ausbildung in Südtirol vor, die in vielem der in Österreich ähnelt. Nach Abschluss der Schule machen viele Absolventen auch in Südtirol noch eine Zweitlehre.

Herr Unterer legte dar, dass in Südtirol 85% der landwirtschaftlichen Erzeugnisse über Genossenschaften vermarktet werden, was z.T. höhere Preise und vor allem eine höhere Stabilität für die Landwirte erbringt, als das z.B. in Deutschland der Fall ist. So ist der Strukturwandel bei den rund 20.000 Betrieben in Südtirol auch noch relativ gering ausgeprägt, auch wenn es starke Veränderungen in der Ausrichtung der Betriebe gibt. Auch in Südtirol hat sich die Stimmung der Gesellschaft gegenüber der Landwirtschaft in den letzten 20 Jahren dramatisch zum Schlechteren verändert. Grund hierfür sind die die Diskussionen um Spritz- und Düngemittel oder auch Privilegien der Landwirte, z.B. im Baurecht. Die Landwirte kommen so immer weiter in eine Verteidigungshaltung, die für einen guten Dialog nicht hilfreich ist.

Erwartungen an die GAP bei der Tiroler Almbauernschaft

Letzte Station der Fahrt war die Landwirtschaftliche Lehranstalt im Imst. Direktor Dipl.-Ing. Josef Gstrein und Kammerdirektor Mag. Ferdinand Grüner stellten die Ausbildung in Österreich vor und berichteten über die Situation der Landwirtschaft in Österreich sowie deren Wünsche an die Gemeinsame Agrarpolitik der EU. Angesprochen auf die Vermittlung von Werten im Schulbetrieb verwies Direktor Gstrein u.a. darauf, dass die Schule sich „die Schule fürs Leben“ nennt. Der Vertreter der Kammer, der Bauernorganisation in Österreich, Mag. Grüner, stellte dar, dass 75% der Betriebe in Tirol Nebenerwerbsbetriebe sind. Hinsichtlich der Erwartungen an die GAP gibt es in Österreich durchaus Unterschiede zwischen der größer ausgerichteten Landwirtschaft im Osten Österreichs und den Bauern in Tirol, die zumeist als Almbauern vor ganz speziellen Problemen stehen. So gab es in der Vergangenheit immer wieder Probleme mit der satellitengesteuerten Überprüfung der Schlaggrößen. Aber auch die Touristen, die natürlich ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor sind, bringen z.B. mit dem zunehmenden E-Bike-Tourismus auf den Almen Probleme mit sich.

Mehr Informationen: www.klb-bayern.de