Synodaler Prozess muss zur Erneuerung der Kirche beitragen

Dienstag, 29. Oktober 2019

Nürnberg. „Der synodale Prozess muss zur Erneuerung der Kirche beitragen, die KLB sieht dringenden Handlungsbedarf, sie wünscht sich konkrete Lösungen, damit das Christentum wieder eine gestaltende Kraft für die Zukunft wird“, mit diesen Worten fasste der KLB Bundesseelsorger Hubert Wernsmann die Diskussion zum synodalen Prozess beim Herbstausschuss in Nürnberg zusammen. Der Katholischen Landvolkbewegung Deutschlands liegt der Fortbestand der Kirche und der kirchlichen Gemeinschaften sehr am Herzen. Hauptamtlich und ehrenamtlich gestalten wir seit Jahrzehnten bundesweit kirchliches Leben auf dem Land. Aufgrund unserer vielfältigen Erfahrungen aus den Diözesen und Ortsgemeinden sehen wir die dringende Notwendigkeit für Veränderungen in wesentlichen kirchlichen Strukturen und Auffassungen.  Den Beschluss der Deutschen Bischofskonferenz zu einem synodalen Prozess nehmen wir als ermutigenden ersten Schritt wahr. Wir verbinden damit aber auch die große Hoffnung, dass in naher Zeit signifikante Änderungen angestoßen und auf den Weg gebracht werden. Dialog und nicht Dialogverweigerung ist eine Grundvoraussetzung für das Gelingen des synodalen Vorhabens. Vorrangig sehen wir derzeit dringenden Handlungsbedarf auf folgenden Gebieten:

  • Ehrliches Hinterfragen der aktuellen Machtstrukturen
  • Weiterentwicklung der Teilhabe aller Gläubigen an Leitungsfunktionen
  • Zölibat als freiwillige Lebensform
  • Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche
  • Ehrliches Eingestehen des Versagens der Kirche im Bereich der Sexualmoral
  • Akzeptanz der Gewissensentscheidung statt Erfüllung von moralischen Geboten und Forderungen.

Die KLB wendet sich an die Teilnehmer des synodalen Prozesses mit der Bitte, die Systemkrise in der katholischen Kirche zu beseitigen. Es gilt der theologische Paradigmenwechsel: Der Primat der Seelsorge – der Mensch zuerst. Dazu gehören die Änderungen in der Sexualmoral und mehr Rechte für Frauen.

Wenn die Kirche ihre Tradition ernst nimmt, muss sie strukturelle Entscheidungen treffen und die Ursachen der Krise beseitigen.

Wir wünschen uns eine veränderte Debattenkultur in der katholischen Kirche, in der die Argumente entscheidend sind und nicht um das Beharren auf der „Autorität des Lehramtes“ geht.  Die Kirche darf nicht nur an bestimmten Lehrsätzen unveränderlich festhalten. Dies wäre ein verengtes Kirchenbild. Die Lehre der Kirche hat sich im Laufe der Zeit immer wieder geändert und sich selbst auch korrigiert. Der synodale Prozess, den die Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken gemeinsam begonnen haben, bietet die Chance, den zukünftigen Weg der Kirche in Deutschland in den Blick zu nehmen. Die vier vorgesehenen Themenbereiche – Sexualmoral, priesterliche Lebensform, Macht in der Kirche, Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche – beinhalten dringende Fragen, die einer Antwort bedürfen.

Es gilt, die Zeichen der Zeit zu erkennen und entsprechende Schlussfolgerungen daraus für die Gestalt der Kirche zu ziehen. Die KLB Deutschland wünscht sich eine Kirche als Ort, die im Heute steht, die sich immer wieder an der Frohen Botschaft des Evangeliums orientiert  und die Erlösung durch Jesus Christus erfahrbar macht und allen Menschen ein Leben in Fülle ermöglicht.

Hubert Wernsmann, KLB Bundesseelsorger