Nur gemeinsam ist die Ernte einzubringen - anders auf Gewohntes schauen

Freitag, 27. März 2020

Gemeinsame Erklärung der Katholischen Landvolkbewegung Deutschland und der Katholischen Landvolkbewegung Bayern

Durch die Corona-Pandemie werden Hundertausende der jährlich in Deutschland tätigen Saisonarbeiter*Innen nicht zur Verfügung stehen. Damit dennoch die Felder bewirtschaftet und die Ernte eingebracht werden kann, benötigen die Landwirt*Innen viele starke und unterstützende Hände. Gleichzeitig gibt es in Deutschland immer mehr Menschen, die derzeit in ihrem normalen Beruf nicht tätig sein können. Hier finden sich viele, die freiwillig helfen wollen. Die Katholische Landvolkbewegung begrüßt daher Regelungen, die hier ansetzen und mit denen versucht wird, Kurzarbeitende, Flüchtlinge oder Schülerinnen und Schüler sowie Studierende und Arbeitssuchende auf die Felder zu bringen.

Wichtig ist aus unserer Sicht, dass die bürokratischen Hürden und Erfordernisse so niedrig wie möglich gestaltet werden. Der Aufwand, den die Landwirt*Innen haben, um fachfremde und oftmals ungeübte Kräfte sinnvoll auf dem Acker einzusetzen, ist schon groß genug, da darf wertvolle Zeit nicht mit unnötigen und überbordenden Antrags-, Melde- und Abrechnungsformalitäten verschwendet werden.

Gleichzeitig ist es erforderlich, die Freiwilligen in ihrem Einsatz zu unterstützen und nicht durch kleinliche Hinzuverdienstgrenzen abzuschrecken. Die Arbeit auf dem Feld wird schwer genug sein. Hierzu werden einzelne Vorschriften für die Zeit der Krise außer Kraft gesetzt werden müssen, z.B. die Hinzuverdienstgrenze des Netto-Lohns für Kurzarbeitende oder Voraussetzung der Nicht-Berufsmäßigkeit für landwirtschaftliche Aushilfskräfte, was Arbeitssuchende grundsätzlich ausschließen würde.

Von besonderer Bedeutung ist aus Sicht der Katholischen Landvolkbewegung, dass wir uns kritisch mit den bisherigen Rahmenbedingungen auseinandersetzen. Die Corona-Pandemie macht uns als selbstverständlich Vorausgesetztes bewusst und stellt es gleichzeitig in Frage. Ist es richtig, dass die niedrigen Preise unserer Lebensmittel mit teils nahezu menschenunwürdigen Unterkünften für Saisonarbeiter ermöglicht werden? Ist es richtig, dass die Entlohnung so gering ist, dass es für Arbeitnehmer aus unserem Land unattraktiv ist, auf den Feldern zu arbeiten? Ist es richtig, dass Arbeitsschutz- und Arbeitszeitvorschriften nicht immer hinreichend eingehalten werden? Ernte, Verarbeitung und Erfolg der Landwirte insbesondere in Sonderkulturen beruhen auf Arbeitskräften aus Osteuropa, die bereit sind monatelang getrennt von ihren Familien zu leben und zu arbeiten, damit sie ihr Einkommen sichern. Hier ist es gerade jetzt geboten, diesen Menschen zu danken, ohne die in den vergangenen Jahren so manche Spargelstange nicht günstig auf den Teller gekommen wäre.

Es ist gut, dass Corona uns diese Situation bewusst macht. Es ist gut, dass wir aktiv werden, um selbst die Ernte einzubringen. Es ist darüber hinaus dringend notwendig, zukünftig für die nun als systemrelevant anerkannte Landwirtschaft neue Wege zu entwickeln. Die Grundlage für diese neuen Wege muss Artikel 1.4. der UN Deklaration für Bauernrechte sein: „Diese Erklärung gilt ferner für Lohnarbeitnehmer, einschließlich aller Wanderarbeitnehmer, ungeachtet ihres Migrationsstatus, und Saisonarbeitnehmer, auf Plantagen, in landwirtschaftlichen Betrieben, Wäldern und Aquakulturbetrieben sowie in agroindustriellen Unternehmen“.

Jetzt kommt es erst einmal darauf an zu helfen. Wer dies tun möchte oder Unterstützung benötigt, kann sich auf vielfältigen Seiten informieren. Eine Zusammenstellung der verschiedenen Möglichkeiten findet sich unter:

https://wir-haben-es-satt.de/unterstuetzen/corona-helfen-in-derlandwirtschaft/

oder direkt bei:

https://www.daslandhilft.de/

Information: Katholische Landvolkbewegung Deutschland, Bundesstelle Drachenfelsstraße 23, 53604 Bad Honnef

Telefon: 0 22 24 – 7 10 31; E-Mail: bundesstelle@klb-deutschland.de

sowie im Internet unter: www.klb-deutschland.de