Gespräch mit Alois Glück zum 80. Geburtstag

Donnerstag, 23. Januar 2020

Alois Glück, geb. 24. Januar 1940 in Traunwalchen, Landessekretär der KLJB Bayern 1964-1971, Mitglied des Bayerischen Landtags 1970-2013, 1988-2003 Fraktionsvorsitzender der CSU, 2003-2008 Landtagspräsident, 2009-2015 Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). Seit 2019 Moderator "Runder Tisch Artenvielfalt" der Bayerischen Staatsregierung

 

Gespräch mit Alois Glück zum 80. Geburtstag am 24. Januar 2020:
„Realität ist, dass unsere heutige Art zu leben nicht zukunftsfähig ist.“


In einem Gespräch zu seinem bevorstehenden 80. Geburtstag sprach Alois Glück mit Martin Wagner, Landesgeschäftsführer der Katholischen Landvolkbewegung (KLB Bayern), über frühere und heutige Herausforderungen für Gesellschaft, Kirche und Politik auf dem Land.

Martin Wagner schreibt in seiner Gratulation: "Die Erfahrungen aus seinem Engagement und das Denken von Alois Glück prägen die katholischen Landverbände KLJB und KLB bis heute. Wir gratulieren ihm von Herzen und wünschen uns, dass wir noch lange auf seinen Rat und seine Impulse vertrauen können. Der Klimawandel und die nötigen Veränderungen für die Landwirtschaft und ländlichen Räume insgesamt erfordern die Bildungsarbeit und die vermittelnde Rolle der kirchlichen Verbände auf dem Land heute mehr denn je.“


Martin Wagner: Lieber Alois Glück, Ihr Thema war schon als Landessekretär der KLJB Bayern und dann auch in der Landespolitik der Strukturwandel auf dem Land und in der Landwirtschaft. Es gelang damals, einen „bayerischen Weg“ zu gehen. Was waren die Leitideen dafür und wer hatte sich dafür zusammengetan?

Alois Glück: Der „Bayerische Weg in der Agrarpolitik“ war die Antwort auf die betriebswirtschaftliche Auswirkung der Mechanisierung in der Landwirtschaft mit dem Effekt der Freisetzung von Arbeitskräften und die Antwort auf die Vorschläge des damaligen EU--Agrarkommissars Sico Mansholt mit der Forderung nach großen Betriebseinheiten für den ökonomischen Einsatz von Fördermitteln. Sein Ziel waren beispielsweise Milchviehbetriebe mit mindestens 50 Kühen.
Die intelligente Alternative aus Bayern wurde die überbetriebliche Zusammenarbeit in Produktion und Vermarktung. Der geistige Vater dieser Entwicklung ist der damalige Leiter des Landfunks im Bayerischen Rundfunk, Dr. Erich Geiersberger. Er ist der geistige Vater, er hatte die Grundlagen geschaffen für den bayerischen Weg. Mit seinem Konzept haben wir in heftigen Auseinandersetzungen mit dem Bauernverband und dem Landwirtschaftsminister, damals Dr. Hundhammer, für diesen bayerischen Weg gekämpft. Der weitsichtige und mutige Nachfolger Dr. Hans Eisenmann hat dieses Konzept mit dem „Bayerischen Landwirtschaftsförderungsgesetz“ von 1969 dann für die Politik verankert. Mit ihm haben wir eng zusammengearbeitet.

Martin Wagner: Wann begannen die Debatten über globale Gerechtigkeit und die „Grenzen des Wachstums“ in der bayerischen Landespolitik, z.B. in den Bereichen Umweltschutz, Landwirtschaft oder Landesplanung, zu wirken?

Alois Glück: Mit den „Grenzen des Wachstums“ hat sich in den 1960er Jahren noch kaum jemand beschäftigt. Die Erklärung des Club of Rome zu den „Grenzen des Wachstums“ wurde erst 1972 veröffentlicht. In der Landjugendarbeit haben wir uns intensiv mit den Strategien zur Förderung und Entwicklung der ländlichen Räume im Strukturwandel befasst und uns entsprechend in der politischen Diskussion engagiert.

Martin Wagner: Welche Rolle können oder müssen christlich geprägte Verbände wie die KLB und die KLJB bei den Debatten um eine nachhaltige Landwirtschaft, einen zielführenden Klimaschutz und den Erhalt bäuerlicher Strukturen spielen?

Alois Glück: Die Folgen des Klimawandels werden für die kommenden Jahre das dominante Thema der gesellschaftlichen und politischen Debatte sein. Die Realität ist, dass unsere heutige Art zu leben nicht zukunftsfähig ist. Also sind gravierende Veränderungen notwendig, für die nur durch eine entsprechende ethische Verantwortung gegenüber der jungen Generation und den Nachkommen die Kraft für diese großen Anstrengungen zuwachsen kann. Aber Gesinnung allein reicht auch nicht. Dann gleiten wir ins Moralisieren und Belehren ab. Man muss sich der Mühe unterziehen, diese komplexen Fragen und Aufgabenstellungen auch mit entsprechender Sachkompetenz in den kontroversen Aufgabenstellungen vermitteln zu können. Sachkompetenz ist ebenso die notwendige Grundausstattung für die Debatte in der Landwirtschaft und in der Gesellschaft über die Zukunft unserer Landwirtschaft.

Martin Wagner: Was gibt Ihnen Hoffnung, dass die Bereitschaft, aus christlicher Überzeugung Verantwortung für das Gemeinwohl zu übernehmen, auch im neuen Jahrzehnt eine Chance hat, auf die Politik zu einzuwirken und die Entwicklungen zu mehr Nationalismus, Europaskepsis und Egoismus aufzuhalten?

Alois Glück: Das wird entscheidend davon abhängen, ob sich die Christen in diesen Sachfragen und vor allem im konkreten politischen Engagement entsprechend engagieren.

 

Verantwortlich: Martin Wagner, Geschäftsführender Referent und Vorstandsmitglied der KLB Bayern

Homepage: www.klb-bayern.de