Aktuelles aus Gesellschaft und Kirche

Grundrente jetzt beschließen!
Das Rentenbündnis der katholischen Verbände fordert ein Ende des politischen Taktierens in der aktuellen Debatte um die Einführung einer Grundrente.

Berlin, den 7. November 2019 – Immer mehr Menschen sind im Alter von Armut bedroht. Die Tatsache, dass darauf bisher eine sozialpolitische Antwort ausblieb, lässt immer mehr Bür-gerinnen und Bürger an der Verlässlichkeit der gesetzlichen Rentenversicherung zweifeln – das Vertrauen in den Sozialstaat schwindet. Daher ist politisches Handeln dringend geboten. Das Konzept der Grundrente ist ein erster Schritt, um auf die Nöte derjenigen zu reagieren, die von Altersarmut betroffen oder bedroht sind.
Es ist den Betroffenen gegenüber unwürdig, die sachliche Debatte mit parteipolitischer Tak-tiererei zu verknüpfen. Die beteiligten Parteien müssen ihre Befindlichkeiten zurückstellen und im Angesicht der Nöte vieler Menschen endlich den Einstieg in eine armutsfeste Rente beschließen.

Bei aller Fürsprache gibt es dennoch Grund zur Nacharbeit. In der derzeitigen Ausgestaltung wird das Konzept der Grundrente nur für einen bestimmten Teil der Versicherten mit gerin-gen Alterseinkommen wirksam:
1. Die Grundrente berücksichtigt nur Versicherte, die mindestens 35 Jahre „Grundrenten-zeiten“ vorweisen können. Versicherte mit nur einem Jahr weniger profitieren nicht. Viele alte Menschen in der Grundsicherung erfüllen die 35-Jahres-Voraussetzung nicht. Die Grundrente ist daher keine zielgenaue Lösung gegen Altersarmut.
2. Versicherte mit langen Erwerbsarbeitszeiten im Minijob oder Teilzeitarbeit im Niedrig-lohnbereich profitieren nicht, da Zeiten mit weniger als 0,24 Entgeltpunkten pro Jahr nicht in die Durchschnittsberechnung einfließen und nicht aufgewertet werden. Dies ent-spricht einem Bruttomonatslohn von 778,00 Euro in den alten und 718,00 Euro in den neuen Bundesländern.
3. Nicht alle, die von der Grundrente profitieren, kommen mit der Höherbewertung von 35 Jahren über die Grundsicherung im Alter. Wer trotz verdoppelter Rentenanwartschaften unterhalb des Grundsicherungsniveaus bleibt, muss auf eine Freibetragslösung auswei-chen. Damit blieben maximal 106 Euro zusätzlich zur Grundsicherung.
4. Durch eine Bedarfsprüfung bekommt die Grundrente den Charakter einer nachrangigen Sozialleistung und nicht – wie angekündigt – einer Anerkennung von Lebensleistung.
5. Angesichts der komplexen Berechnungs- und Bewertungsverfahren der Grundrente stellt diese keine verlässliche Größe für Versicherte dar und bietet keine Planungsgrund-lage für Entscheidungen im Erwerbsverlauf.

Das Rentenbündnis der katholischen Verbände setzt sich für eine solidarische, existenzsi-chernde Sockelrente für alle Einwohnerinnen und Einwohner ohne Prüfung ein. Nur im Ren-tenmodell der katholischen Verbände ist eine eigenständige leistungsgerechte Alterssiche-rung mit einer solidarischen Existenzsicherung für alle systematisch miteinander verbunden. Zusätzlich erhalten auch weiterhin alle Versicherten Rentenansprüche – entsprechend ihrer
im Lebensverlauf erworbenen Anwartschaften. Weitere Anwartschaften aus privater und be-trieblicher Altersvorsorge bleiben zudem bestehen.

  • Familienbund der Katholiken – Bundesverband
  • Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) Deutschlands
  • Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) – Bundesverband e.V.
  • Katholische Landvolkbewegung Deutschland (KLB)
  • Kolpingwerk Deutschland

KLB fordert und fördert zukünftigen Dialog mit den Landwirten

Bad Honnef, 29. Oktober 2019. Die vielfältigen Proteste der Bauern in den vergangenen Tagen zeigen deutlich, wie wichtig landwirtschaftliche Themen in der Gesetzgebung sind. Sie treffen die Menschen vor Ort direkt und müssen daher differenzierter betrachtet werden als das in der Vergangenheit oft der Fall gewesen ist. Die Katholische Landvolkbewegung stützt die Protestierenden insbesondere in den Forderungen nach genauem Hinsehen und Wertschätzen ihrer Arbeit. Pauschale Regelungen, die sich nur auf eine mögliche Ursache beziehen, wie z. B. die Nitratbelastung von Boden und Wasser durch Landwirtschaft, verkennen alle weiteren ebenso dringend anzugehenden Ursachen. „Basis unserer Arbeit für die Landwirtinnen und Landwirte in Deutschland ist das christliche Menschenbild, das leitend für unser Bild von einer bäuerlichen und nachhaltigen Landwirtschaft ist.“ macht Korbinian Obermayer, Bundesvorsitzender der KLB deutlich. Viele der Bedingungen einer Produktion von gesunden Lebensmitteln, von der die Produzierenden – unsere Bauern und Bäuerinnen – selbständig und eigenverantwortlich leben können, sind nur dann zu erfüllen, wenn genauer auf die Ressourcen und Voraussetzungen vor Ort geschaut wird und entsprechend differenzierte und Standort angepasste Wirtschaftsweisen möglich sind.

Gleichzeitig beeindrucken die Proteste mit ihrer Solidarität untereinander. Es ist ein herausragendes Zeichen, dass sich so viele, verbandsübergreifend und verbandsunabhängig auf den Weg gemacht haben. Ebenso wichtig ist die Solidarität der Verbraucherinnen und Verbraucher mit den Landwirten. Diese wird zu Recht von den Protestierenden eingefordert. In den letzten Jahren wurde nicht mehr hinreichend anerkannt, was tagtäglich auf den Äckern und in den Ställen geleistet wird. Aber auch Landwirte müssen sich bewusst sein und sich dazu bekennen, dass sie eine Verantwortung tragen, der sie nicht immer gerecht werden.

Der bisherige Wachstumswahn in unserer Gesellschaft und Wirtschaft ist an seine Grenzen gekommen. Veränderungen sind dann möglich, wenn jeder sein bisheriges Handeln kritisch betrachtet und überdenkt. Die KLB als kirchlicher Verband sieht hier eine ihrer Aufgaben: Die Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen, Verstehen zu fördern und damit Wertschätzung wachsen zu lassen und Veränderungen anzustoßen. Die KLB mit ihren Diözesanverbänden stellt sich dem und bietet oft vor Ort die Plattform für einen konstruktiven Dialog, um gemeinsam eine Zukunft zu gestalten, in der Landwirte ihrer Aufgabe gerecht werden können, die Mittel zum Leben zu produzieren, davon selbst leben zu können und die Umwelt zu schützen, damit auch spätere Generationen eine lebenswerte Zukunft haben. „Mit diesen unseren Kompetenzen bringen wir uns auch gern auf Bundesebene ein, wenn die angekündigten Dialoge und Konferenzen mit der Landwirtschaft realisiert werden.

Bettina Locklair, KLB Bundesstelle

 


Erntekrone für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

KLB und EDL freuten sich zusammen mit den landwirtschaftlichen Berufsständen die alte Tradition der Übergabe der Erntekrone an den Bundespräsidenten im schönen Ribbeck zu feiern.

Ribbeck. Bad Honnef, 13. Oktober 2019. Nach einer Pause konnte in diesem Jahr die Erntekrone wieder im Namen der beiden kirchlichen Verbände KLB und EDL, dem Bauernverband und den Landfrauen in einem festlichen Rahmen an den Bundespräsidenten übergeben werden. Ort der Übergabe war dieses Jahr nicht die Hauptstadt sondern Ribbeck im Havelland. Nach einem Gottesdienst in der Dorfkirche – in deren ehemaligen Friedhof der wohl berühmteste Birnbaum Deutschlands steht – konnte die Festgesellschaft bei strahlendem Wetter die wenigen Schritte in das ehemalige, neu renovierte Schloß Ribbeck hinübergehen. Im Schloßpark wurde dem Bundespräsidenten nach dem Gottesdienst die Erntekrone überreicht, die die Landfrauen des Havellands für ihn gebunden hatten.
 In seiner Ansprache ging er darauf ein, dass die Landwirte in den letzten beiden Jahren stark mit der großen Trockenheit zu kämpfen hatten. Dies müsse im Zusammenhang mit der Klimaveränderung betrachtet werden.  So sagte Bundespräsident Steinmeier: “Alle Politiker aber auch wir als Verbraucher müssen uns darauf einrichten, unseren Beitrag zu leisten, damit die Veränderung des Weltklimas in Grenzen gehalten wird”. Das sei mit einer Umstellung und Anpassung unseres Lebensstils verbunden. Dies sei aber notwendig, „wenn wir unsere gemeinsame Zukunft erhalten wollen.“
 
(C) KLB Deutschlands
 

Kardinal Marx zum Anschlag in Halle an der Saale

Erklärung des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz

München, 9. Oktober 2019. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, erklärt zum heutigen Anschlag in Halle an der Saale (9. Oktober 2019):

„Ich bin entsetzt und erschüttert über den feigen Anschlag von Halle. Unser Mitgefühl gilt den Todesopfern, ihren Angehörigen und den Verletzten. Die Täter hatten offensichtlich gezielt die Synagoge von Halle ausgesucht, um am höchsten jüdischen Feiertag Blut zu vergießen. Wir stehen solidarisch an der Seite der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger. Antisemitismus oder gar blinde Gewalt dürfen keinen Platz in unserer Gesellschaft haben. Wir sind den Juden in unserem Land, unseren Schwestern und Brüdern, gerade in diesen Stunden eng im Gebet verbunden.“

(C) Pressestelle - Erzbistum München und Freising